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MEXIKO: Vorfreude und Nachwehen

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Es ist warm. Die Meeresbrise schmeckt nach Salz. Wie bei einer Parade stehen Hunderte Menschen aufgereiht am Strand. Unzählige Augenpaare scannen die Wasseroberfläche der Lagune. Dann bricht das Blau. Ein gigantischer Körper schießt aus dem Meer. Die Verschlüsse sündteurer Teleobjektive klicken im Akkord. Der gigantische Grauwal klatscht mit einem spektakulären „Kawoom“ auf das Wasser und taucht wieder ab. So, ganz genau so habe ich mir meine Walbeobachtung in der Baja California vorgestellt. Und die Beschreibung des Pauschalreiseveranstalters verspricht den hautnahen Kontakt mit den sanften Riesen. Im Internet stoße ich auf eine Pauschalreise „Nord-Mexiko: Baja California“. Die Bilder auf der Website zeigen Touristen in einem kleinen Boot, wie sie zaghaft den Kopf eines Wals berühren, der förmlich ins Boot zu kriechen versucht. Reisebeschreibung und -verlauf lesen sich wie die Abschrift meines persönlichen Wunschzettels: ausgiebige Walbeobachtungen an der Pa...

BAJA CALIFORNIA: Abenteuer statt Vorurteile

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Mein vorurteilsgeprägtes Bild von Mexiko habe ich mir vor zwanzig Jahren gemalt. Nach einer kulturgeprägten Yucatán-Rundreise hatte sich damals ein Kulturschock-Badeaufenthalt in Cancún angeschlossen. So packte ich also Mexikos großartige archäologische Stätten in die Gehirn-Schublade mit Touristenmassen, angetrunkenen jugendlichen US-Amerikanern, teuren Restaurants mit unfreundlichem Service und einer Woche Dauerregen. Dem Gesetz der niedrigen Erwartungshaltung folgend, hat mich die Baja California in vielerlei Hinsicht positiv überrascht. Dabei hat alles wenig vielversprechend angefangen. Wale. Buckelwale. Grauwale. Walbullen, die aus dem Wasser springen. Walmütter, die mit ihren Jungen um Touristenboote schwimmen. Diese Art von Naturbeobachtung steht ganz oben auf meiner Löffelliste, also der Liste von Erfahrungen, die ich unbedingt noch machen möchte, bevor ich den Löffel abgebe. Deshalb habe ich eine Reise zur Baja California gebucht. Die Beschreibung des...

GRIECHENLAND sollte es auf Rezept geben

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„Griechenland“. Das Wort hallt in meinen Ohren wie das kleine Glöckchen-Windspiel auf dem Balkon meines Nachbarn. Seit Wochen hüpft mein Zwerchfell beim Gedanken daran, dass eine Reise zur Chalkidiki bevorsteht. Dort rollte bisher, so hat es mir das Internet verraten, eine Hitzewelle über die Halbinsel unterhalb von Thessaloniki. Als wir am späten Nachmittag in Griechenland landen, sind es beinahe noch dreißig Grad. Nachdem der Koffer im Zimmer steht, stürmen wir die Poolbar und kommen erst mal feuchtfröhlich an. Was ich am anderen Morgen erblicke, als ich die Vorhänge des Hotelzimmers öffne, halte ich zuerst für einen schlechten Scherz. Nochmal Vorhang zu. Nochmal Vorhang wieder auf. Zwinkern und Blinzeln. Unveränderter Ausblick. Von der offenen Balkontür her schlägt mir ein kalter, klammer Wind entgegen und es regnet. Wie ärgerlich. Und was für ein Glück. Diesen Urlaub wollten wir komplett faul verbringen. Keine Ausflüge, keine Besichtigungen. Nur der Stra...

AIDA? Nur noch als Oper!

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Im schmalen Gang herrscht Gedränge. Eine ältere, gebückt laufende Dame mit grauem, dauergewelltem Haar versucht, mit der Menschenmenge Schritt zu halten. Von hinten bahnt sich ein Mann eilenden Schrittes einen Weg durch die Masse. „Entschuldigung. Darf ich mal durch?! Entschuldigung. Danke!“, erhebt er seine Stimme über das brodelnde Gemurmel der Horde. Beinahe hat er die Dauerwellen-Oma eingeholt. Sie wirft einen hektischen Blick über die Schulter, und gerade, als er rechts an ihr vorbeihechten möchte, holt sie mit dem Ellenbogen aus und verpasst ihm einen herben Stoß in die Magengrube. Ein erneutes „Entschuldigung, darf ich durch?!“ bleibt dem Mann im Halse stecken. Er klappt zusammen wie ein Schweizer Taschenmesser und taumelt gegen die Wand, um dort nach Atem zu ringen. Diese Szene, die der Höhepunkt eines Krimis oder Actionfilms sein könnte, ist leider der Tiefpunkt einer Adria-Kreuzfahrt. Aber mal der Reihe nach und von Anfang an: Mehrere Tausend Mensc...

SCHOTTLAND: Ein Land lebt liebenswerte Klischees

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Schottland assoziiere ich mit wildromantischen Steilklippen, an die unermüdlich die Meeresgischt klatscht. Sattgrünen Wiesen, auf denen Galloways freundlich in die Touristenkamera wiederkäuen. Düster-mysteriösen Seen mit Wasserdrachen. Und hünenhaften Männern in karierten Röcken, die allesamt entweder Dudelsack spielen oder Baumstämme durch die Gegend werfen, um im Anschluss Whisky als Grundnahrungsmittel zu sich zu nehmen. Ob Schottland tatsächlich all diese Klischees bedient oder ob ich mich von dem einen oder anderen Vorurteil trennen muss, will ich während einer Stippvisite im Norden des Vereinigten Königreichs herausfinden. Völlig darauf fokussiert, meine Klischeeliste gedanklich abzuhaken, überrascht mich Schottland mit unerwarteten Highlights: Gänsehaut in Edinburgh „Ghost Tour“ wird an fast jeder Ecke in Edinburgh angepriesen. So wirklich kann ich mir nichts darunter vorstellen, bin aber wahnsinnig neugierig auf diese Art der Stadtführung und halte ratzfatz ...