GRIECHENLAND sollte es auf Rezept geben

Griechenlandurlaub auf Chalkidiki

„Griechenland“. Das Wort hallt in meinen Ohren wie das kleine Glöckchen-Windspiel auf dem Balkon meines Nachbarn. Seit Wochen hüpft mein Zwerchfell beim Gedanken daran, dass eine Reise zur Chalkidiki bevorsteht. Dort rollte bisher, so hat es mir das Internet verraten, eine Hitzewelle über die Halbinsel unterhalb von Thessaloniki.

Als wir am späten Nachmittag in Griechenland landen, sind es beinahe noch dreißig Grad. Nachdem der Koffer im Zimmer steht, stürmen wir die Poolbar und kommen erst mal feuchtfröhlich an.

Urlaub auf Chalkidiki – der Blick vom Hotel

Was ich am anderen Morgen erblicke, als ich die Vorhänge des Hotelzimmers öffne, halte ich zuerst für einen schlechten Scherz. Nochmal Vorhang zu. Nochmal Vorhang wieder auf. Zwinkern und Blinzeln. Unveränderter Ausblick. Von der offenen Balkontür her schlägt mir ein kalter, klammer Wind entgegen und es regnet.

Wie ärgerlich. Und was für ein Glück.

Diesen Urlaub wollten wir komplett faul verbringen. Keine Ausflüge, keine Besichtigungen. Nur der Strand, die Poolbar, das Hotelzimmer und ein leerer Kopf. Den Stress, der uns zu Hause fest im Griff hatte, passiv bekämpfen.

Fest entschlossen, unseren Plan A durchzuziehen, warten wir auf eine Wolkenlücke und wagen ein Bad im Meer. Das Wasser ist angenehm. Weniger verlockend ist die Vorstellung, das umschmeichelnde Nass wieder gegen den windig kalten Strand einzutauschen. Ähnlich mäßiger Erfolg im Pool. Bläulich angelaufen, bibbernd in ein viel zu kleines Handtuch gewickelt, flitze ich fluchend auf Zehenspitzen Richtung Hotelzimmer und warmer Dusche.

Also gut. Wir kapitulieren nicht, sondern ändern unsere Strategie zu Plan B.

Anstelle von Strand und Poolbar disponieren wir jetzt wetterbedingt auf Mietwagen und Ausflüge um. Wir erkunden die beiden westlichen Landzungen Kallithea und Sithonia. Und weil Aufgeben keine Option ist, haben wir unsere Badesachen trotzig in den Kofferraum des kleinen Micra gestopft.

Strandlandschaft auf Chalkidiki

Baden wäre eine Leuchtreklame-Einladung an eine Erkältung oder Schlimmeres. Aber zumindest mit den Sandalen an der Wasserlinie entlangzubalancieren, macht gute Laune. Kleine bunte Fische und neugierige Oktopusse grinsen uns im flachen Wasser frech aus ihrem Element an. Die haben gut lachen. Das Wasser ist wärmer als die Luft.

Küstenimpressionen auf Chalkidiki

Beim Schlendern durch pittoreske Dörfer mit imposanten Kirchen und liebevoll dekorierten Balkons ernten wir amüsierte Blicke. Ich trage zwei Hosen übereinander, den viel zu großen Hoody meines Freundes und Sandalen ohne Socken. Zwei Hosen übereinander machen aus Sommerkleidung allerdings noch lange keine Wintergarderobe.

Ein Dorf auf Chalkidiki

Kleine, verführerische Tavernen bleiben kleine verführerische Tavernen, auch wenn der Himmel voller dicker, grauer Wolken hängt.

Griechische Taverne auf Chalkidiki

Mit jedem Kilometer, den wir Chalkidiki erkunden, sinkt unser Stresspegel. Selbst der unerwartete Kälteeinbruch kann uns die Erholung nicht vermiesen.

Unsere Faulenzerwoche verlief anders als geplant. Aber bei Sonnenschein rumgammeln kann jeder. Aus einem verregneten Urlaub trotzdem Kraft zu schöpfen und schöne Erinnerungen mitzunehmen, ist die eigentliche Kunst.

Griechenland sollte es auf Rezept geben.

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