TENERIFFA: Sonnige Affäre

Teneriffa

Es ist Ende Februar. Minus acht Grad Celsius und fünf Zentimeter Neuschnee vor meiner Haustür.

Entweder nimmt man das so hin, weil man Jahreszeiten und Wetter nun einmal nicht ändern kann, oder man flüchtet. Vielleicht flüchtet man ins nächste Skigebiet. Vielleicht flüchtet man aber auch in die Sonne.

Ich habe mich für die Flucht in die Sonne entschieden. Nach wochenlangem Wettergrau und Dauerregen und nachdem mein Körper jegliche Vitamin-D-Produktion eingestellt hat, scheint mir eine Reise in die Sonne eine notwendige Maßnahme für mein Seelenheil zu sein.

Reise nach Teneriffa

Zeit, eine alte Liebe aufzuwärmen: Teneriffa. In den Jahren 2011, 2012 und 2013 hat mich diese wunderbare Insel schon begeistert. Fast fünf Jahre sind seit meinem letzten Besuch vergangen. Einiges hat sich verändert, an anderer Stelle scheint die Zeit stehen geblieben zu sein.

Wir genießen unsere Vertrautheit und entdecken trotzdem Neues. Von meinem Hotel am östlichen Ende der Strandpromenade in Puerto de la Cruz schlendere ich zu vertrauten Plätzen. Am Surferstrand beobachte ich, wie sich die Sportler in die Brandung werfen und mit den Wellen ringen. Dahinter: Meer, Horizont und Himmel. Und plötzlich scheint das Leben ganz einfach.

Strand und Meer in Puerto de la Cruz

Ich lasse mich treiben. Von San Telmo Richtung Altstadt. Cafés, Bars, Restaurants und Souvenirgeschäfte. Hier ein Glas Cava, dort ein neues Paar Ohrringe. Ich lasse mich vom Wasserspiel im Meerwasserschwimmbad hypnotisieren.

Meerwasserschwimmbad auf Teneriffa

In den Tag hineinleben. Mal zügig gehen, mal trödeln, mal stehen bleiben, mal hinsetzen oder einkehren. Deshalb passen wir so gut zueinander, diese wundervolle Insel und ich.

Irgendwann – das Zeitgefühl ist im Hotelsafe geblieben – überquere ich den Plaza Charco und schwebe Richtung Playa Jardín. Es gibt unterwegs so viel zu sehen. Kunstvoll bemalte Häuserwände. Liebevoll dekorierte Hauseingänge und Fensterbänke. Sogar eine umhäkelte Hausecke.

Bunte Häuser und liebevolle Details auf Teneriffa

Würde mein Magen nicht knurren, würde ich glauben, ich träume.

In der „Meson de los Gemelos“ stürze ich mich bei einem Viertel Vino Blanco auf die Fischplatte. Ich liebe dieses Lokal. Viele Tische. Immer voll. Papiertischdecken, die die bunten Stoffdecken vor Flecken schützen. Frischer Fisch und Meeresfrüchte. Leicht chaotische Organisation. Absolut authentisch.

Die Sonne, die schon den ganzen Tag meine Vitamin-D-Produktion ankurbelt, steht mittlerweile tief. Sozusagen Wine o’Clock. Sangria zum Sundowner. Obst, verpackt in Rotwein, lasse ich mir gerne gefallen.

Sangria auf Teneriffa

Nach unserem ersten romantischen Wiedersehen ist mir nach ein wenig mehr kognitivem Input. Mal sehen, was es im „Jardín de aclimatación“ in Puertos Stadtteil Orotava Neues gibt und wie sich „meine“ Pflänzchen in den letzten Jahren geschlagen haben. Ich nutze den Treppenaufgang, der hinter dem Einkaufszentrum „Pirámides de Martianez“ beginnt und sich in der Calle San Amaro fortsetzt. Entlang des Weges: gepflegte, kostspielig aussehende Anwesen. Und in meinem Kopf die Verplanung meines ausstehenden Lottogewinns in eine solche Immobilie.

Botanischer Garten auf Teneriffa

Der Botanische Garten ist üppig mit exotischen Gewächsen und wundersamen Blüten bestückt. Langeweile hat hier keinen Zutritt. Ganz hinten im Garten liegt einer mein persönlicher Lieblingsplätze: beim Seerosen-Teich. Der Blick auf den majestätischen Teide, der sich aktuell in einen Schneemantel gehüllt hat, ist atemberaubend.

Seerosen-Teich im Botanischen Garten

Voller Endorphine und selig lächelnd lasse ich mich von Teneriffa am „Mirador La Paz“ vorbei auf die Außenterrasse des „Café Alba“ locken. Spektakuläre Ausblicke in alle Richtungen: hinunter auf Puertos Zentrum und die Küste, hinauf zum Vulkangipfel. Atemberaubend. Sangria zum Sundowner. Ja, das Leben ist wunderbar.

Glück schärft die Sinne. Nicht nur meine visuelle Wahrnehmung scheint geschärft, auch der Sekundenzeiger meiner Uhr hat auf Zeitlupe umgeschaltet. Je mehr der öffentliche Bus von Puerto nach Icod de los Vinos trödelt, umso lieber ist mir das. Hinter jeder Kurve ein neuer grandioser Ausblick auf die Küste oder grüne Täler.

Diesmal strahlt der Busfahrer jedoch so gar keine gute Laune aus. Mit Schwung und unter lautem Hupen nimmt er die Haarnadelkurven. Tatsächlich habe ich beim Umsteigen in Icod in den Bus zur Playa de San Marcos ein bisschen Pudding in den Knien. Doch spätestens, als der neue, deutlich weniger lebensmüde Busfahrer sein Gefährt über den letzten Hügel steuert und der Blick auf die malerische Bucht von San Marcos frei wird, kehren alle meine Lebensgeister zurück.

Bucht von San Marcos

Grober, schwarzer Sand und weiße, schäumende Gischt liefern sich ein Wechselspiel. Der Wind ist heftig und das Meer aufgepeitscht. Ein optisches und akustisches Schauspiel. Ich bin aber nicht nur wegen des Ausblicks hier, sondern weil es im „Italia in Bocca“ die besten frittierten Chipirones (kleine Tintenfische) gibt, die ich kenne. Lokale Spezialitäten gehören für mich einfach zum Gesamterlebnis.

Chipirones auf Teneriffa

Bei einem Glas Weißwein knuspere ich mich durch die Chipirones und beobachte die grollende Brandung. Feine Salzwassertropfen wehen herüber und legen sich auf meine Haut. Für einen Moment denke ich an gar nichts. An gar nichts. Mein Kopf ist leer, mein Grinsen breit. Ja, das Leben ist wunderbar.

Auf dem Rückweg über Icod mache ich noch einen Abstecher ins Schmetterlingshaus „Mariposario del Drago“ in direkter Nachbarschaft des „Drago Milenario“, dem bekanntesten Drachenbaum der Kanaren.

Schmetterlingshaus Mariposario del Drago

Die gesalzenen acht Euro fünfzig Eintritt ärgern mich zunächst. Aber nach einiger Zeit zwischen all den geräuschlos flatternden Schönheiten ist mein Geiz schnell vergessen. Staunend sinniere ich über das Wunder, das die Natur vollbringt, wenn sie eine dralle, blattfressende Raupe in einen bunt gemusterten Falter verwandelt. Dieser Ort ist märchenhaft.

Am nächsten Tag fahre ich mit dem Bummelbus nach El Sauzal. Der Panoramablick von der Terrasse der „Casa del Vino“ ist unvergleichlich. Links oben der schneebedeckte Gipfel des Teide. Ich drehe langsam den Kopf nach rechts und lasse den Blick über das grüne Tal bis hinunter zum Meer wandern.

Panoramablick von der Casa del Vino

Jetzt, wo die Augen so verwöhnt werden, kommt es mir doch nur mehr als gerecht vor, meinem Geschmackssinn ebenfalls etwas Gutes zu tun.

Kulinarische Spezialitäten auf Teneriffa

Der Gruß aus der Küche, der den gekühlten Roséwein begleitet, erfüllt diese Aufgabe mit Bravour. Eine Mandel-Maracuja-Ziegenkäse-Creme als Dip zu frischem Brot. Das nenne ich mal eine exotische Zusammenstellung von Aromen. Sinnlich. Und die georderten Bananen-Speck-Kroketten sind ebenfalls ein Volltreffer. Mein Gaumen wäre damit im Grunde genommen schon genug verwöhnt gewesen.

Dessert auf Teneriffa

Unverschämtheit aber auch, dass das Restaurant seine Desserts in einer Glasvitrine ausstellt. Also, wenn man Auge und Gaumen mit einer Sache gleichermaßen glücklich machen kann, dann kann man doch nicht widerstehen, oder? Genuss hat so viele Facetten.

Teneriffa und ich – wir haben uns nach all den Jahren noch eine Menge zu erzählen. Bis zum nächsten Wiedersehen.

Kommentare

  1. Hallo Diane.
    Ja, das hast du ein paar schöne Punkte Teneriffas besucht und ein paar schöne Fotos eingestellt.
    Glück mit dem Wetter hattest du offenbar auch. Nach einer Woche Regen könnten wir jetzt zur Zeit einen Sonnentag mal wieder dringend gebrauchen.
    Ja, und es gibt viel zu entdecken auf der Insel. Bevor du wieder herkommst, schau doch mal in meinen Blog rein:
    https://mitenerifeblog.wordpress.com
    Liebe Grüsse aus La Orotava
    Gerardo

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    1. Hallo Gerardo
      Danke für den lieben Kommentar. Ja, ich komme immer wieder gerne auf diese wunderschöne Insel, und vor der letzten Reise habe ich tatsächlich den ein oder anderen Tipp von Deiner Seite aufgenommen.
      Viele liebe Grüße zurück nach Orotava,
      und ich schicke Dir in Gedanken ein bisschen Sonne aus dem Rhein-Main-Gebiet - Diane

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