THAILAND: Elefantenritt mit Tränen

Elefantenritt in Thailand – Begegnung mit einem Elefanten im Khao-Sok-Nationalpark

Als Thailand-Tourist hat man es entweder schon gemacht, oder es steht noch auf der Liste der Dinge, die man unbedingt einmal erlebt haben möchte: Elefantenreiten.

Im Khao-Sok-Nationalpark gibt es zahlreiche Möglichkeiten, diesem Wunsch nachzukommen. Voller Vorfreude auf den Ritt und zugleich demütig beeindruckt von den mächtigen Tieren klettert man von einem eigens dafür errichteten Türmchen auf das Bänkchen auf dem Rücken des grauen Riesen.

Elefantenreiten im Khao-Sok-Nationalpark in Thailand

Erste Zweifel kommen vielleicht schon auf, wenn das Tier nicht sofort losläuft und der Mahout es mit einem beherzten Schlag seines Bambusstocks in die Kniekehlen wenig freundlich dazu bewegt. Solange die Strecke eben verläuft, könnte man sich fast schon wieder entspannen und das leise schlechte Gewissen mit kleinen Mantras besänftigen: „Das ist schon alles richtig so. Dem Elefanten tut das nicht weh.“

Sobald es allerdings bergauf oder bergab geht, die Schläge des Mahouts bestimmter und häufiger werden, beschleicht einen das unangenehme Gefühl, dass hier irgendetwas nicht stimmt. Unser Gewissen hat sich jedenfalls recht schnell gemeldet, und wir bereuen schon bald, diesen Ausflug gebucht zu haben.

Doch es kommt noch dicker.

Elefant auf dem Weg durch den Khao-Sok-Nationalpark

In den Tagen zuvor hat es geregnet. Der Boden ist schlammig und feucht. Unser Elefant wird von seinem Mahout mit uns auf dem Rücken einen abschüssigen Weg hinuntergetrieben. Und dann passiert es.

Das Tier rutscht aus beziehungsweise tritt in ein tiefes Schlammloch. Die Halterung der Sitzbank auf seinem Rücken lockert sich. Wir rutschen mitsamt der Bank an die Flanke des Elefanten und drohen herunterzufallen. Das Tier strauchelt.

Elefantenritt in Thailand – die Sitzbank auf dem Rücken des Elefanten

Mir ist schlagartig klar: „Hier sterbe ich jetzt. Erdrückt von drei Tonnen geschundenem Tier.“

Endlich bricht auch beim Mahout Panik aus, und er legt zum ersten Mal seit wir hier sind sein Handy aus der Hand. Zum Glück kann sich unsere Elefantenkuh mit ihrer Hüfte an einem Baum abstützen und so ihr Gleichgewicht wiederfinden. Gemeinsam mit dem Mahout und seinem Helfer schaffen wir es irgendwie, die Sitzbank samt uns wieder auf dem Rücken des geduldigen Dickhäuters zu positionieren.

Wir sind in Schockstarre.

Das hätte ganz schön schiefgehen können.

Ich schwanke zwischen hysterischem Heulanfall und nachträglichem In-die-Hose-Machen. Es bleibt zum Glück beim Heulanfall.

Endlose Minuten später erreichen wir endlich wieder das kleine Ein- und Aussteigetürmchen. Von Vorfreude und Abenteuerlust ist nichts mehr zu spüren. Wir zittern, sind kreidebleich und wollen nur noch weg von hier.

Elefantenritt in Thailand – Rückkehr vom Ausflug

Insgeheim schmiede ich bereits einen Plan. Ich werde die ganze Internet-Community gegen diese Tierquälerei mobilisieren. Werde dafür sorgen, dass diese Touristenattraktion in Thailand verboten wird. Vor meinem inneren Auge läuft schon ein Film ab: Ich werde mit meiner Geschichte in diversen Talkshows sitzen und künftig Reisemagazine im Fernsehen moderieren.

Dann allerdings kommen mir Zweifel.

Was passiert eigentlich mit den Elefanten, wenn keine Touristen mehr zu den Ausritten kommen? Und was wird aus ihren Mahouts?

Wer kommt für die Unmengen an Futter auf, die diese Riesen täglich benötigen? Schicken die Mahouts ihre Tiere dann wieder in den Wald, um dort Bäume zu schleppen? Oder werden die Elefanten am Ende an irgendwelche dubiosen Zirkusse verkauft?

Ich denke noch lange darüber nach, was in diesem Fall richtig oder falsch wäre.

Vielleicht ist die Sache doch nicht ganz so einfach, wie sie mir unmittelbar nach diesem Erlebnis erschienen ist. Ein Verbot mag sich richtig anfühlen. Aber was geschieht danach? Und wer kümmert sich um die Tiere, die bislang von dieser Art des Tourismus abhängig sind?

Ich habe darauf keine Antwort.

Bin ratlos ... aber wenigstens lebendig.

Kommentare

  1. Da bin ich ja froh das Du mit einem grossen Schrecken davon gekommen bist. Ich denke das dies verboten gehört und dafür gesorgt werden muss das sie wieder ausgewildert werden. Ich bin ebenso gegen Tierquälerei, und boykottiere Zirkusse und Zoos aller Art. Und ich unterschreibe jede Petition die hier hilft. Also solange Du nicht in Talkshows und Moderationen zu sehen bist :-) - wie wäre es mit einer Petition?
    Liebe Grüße Princess

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    1. Hallo Princess
      Habe gerade in Deinem Blog gelesen, dass Dein Paten-Elefant verstorben ist. Das tut mir sehr leid. :-(
      Prinzipiell hast Du recht... man sollte was unternehmen... aber ich kenne die Gesamt-Umstände zu wenig. Was passiert, wenn das Geschäft mit den Touristen verboten wird? Was passiert mit den zahmen Elefanten? Wer kümmert sich? Wer füttert?
      In Nepal habe ich mal eine ähnliche Tour gemacht, und diese Tiere wirkten viel gesünder und wurden auch ganz entspannt behandelt. Keine Gewalt. Kein Antreiben. Wenn der Elefant stehen blieb zum fressen, dann hat sein "Herr" geduldig gewartet.
      Vermutlich gibt es auch in Thailand positive und negative Beispiele?!
      Was meinst Du?

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