COSTA RICA: Pura Vida

Die Tourismusbehörde Costa Ricas hat sich einen wahrhaft stimmigen Slogan für ihr Land ausgedacht: Pura Vida!

In der Tat. Hier kreucht und fleucht es überall.

Ein scheinbar lebloses Blatt läuft plötzlich einen Baumstamm hinauf, weil es in Wirklichkeit eine Art Heuschrecke ist. „Hach, wie niedlich.“

Ein vermeintliches Muschelsouvenir zwickt mich durch die Hosentasche ins Bein, weil ein kleiner Krebs darin wohnt. „Aua! Dann bleibt's halt hier. Ist sowieso besser.“

Die Stille der Mittagshitze wird plötzlich von ohrenbetäubenden metallischen Tönen zerschnitten, weil die Zikaden ein Liedchen anstimmen. „Oh toll! Fehlt nur noch der Bass.“

Der Stromausfall am Abend wurde offensichtlich durch ein Faultier verursacht, das sich versehentlich an einem nicht isolierten Stromkabel entlanggehangelt hatte. „Nein, liebe Mitreisende, das ist kein Insektennest, sondern ein verkohltes Faultier.“

All diese Entdeckungen faszinieren mich ungemein. Wunderbares Leben in überraschenden Facetten! Flora und Fauna lösen bei mir normalerweise Neugier und Begeisterung aus.

Normalerweise.

Es gibt allerdings auch Begegnungen, die bei mir weniger Begeisterung und dafür umso mehr Schreckgeschrei auslösen: „Ich bin ein Star. Holt mich hier raus!“

Fast alle Hotels in unmittelbarer Nähe zum Vulkan Arenal werben damit, dass ihre Pools mit warmem Thermalwasser gespeist werden. Na, das ist doch mal was für meine Reiseerzählungen zuhause: „Ich habe in Vulkanwasser gebadet!“

Obwohl es bereits dunkel ist, möchte ich mir das Bad in echtem Arenal-Thermalwasser nicht entgehen lassen.

Der Hotelgarten ist menschenleer. Lediglich das Licht aus dem verglasten Speisesaal beleuchtet die Außenanlage. Im Badeanzug, eingewickelt in ein Handtuch, schleiche ich mich am Rand der Beleuchtung vorbei zu einem der kleineren Pools meines Hotels.

Er ist gestaltet wie ein natürlicher kleiner Teich. Das Wasser riecht zwar schwefelhaltig nach faulen Eiern, dampft aber verführerisch. Rund um den künstlichen Teich wachsen hohe Gräser. Davor und dazwischen hat man unzählige Kröten zur Dekoration drapiert. ...denke ich.

Ich lege mein Handtuch zur Seite und strecke vorsichtig einen Zeh ins Wasser, um die Temperatur zu testen.

In diesem Moment flüchten mehrere große Kröten aus dem Teich. Als hätte mein Fuß den ersten Stein einer Dominokette umgestoßen, erschrecken auch die ringsum sitzenden Amphibien und hüpfen völlig chaotisch in alle Richtungen.

Die Tiere sind so groß, dass ich sie tatsächlich für tönerne Dekoration gehalten hatte. Plötzlich bewegen sich all die Krötentiere, die mir aus Keramik oder Ton doch wesentlich lieber gewesen wären.

Erstarren gestatte ich mir nicht. Ich schreie sofort los und renne!

Den wenigen Hotelgästen, die noch beim Abendessen sitzen, bietet sich durch die Panoramascheiben des Restaurants ein skurriles Bild: Eine Touristin im Badeanzug kommt mit staksenden großen Schritten laut schreiend aus der Dunkelheit gerannt und fuchtelt wild mit einem Handtuch.

...Diese Touristin hört erst auf zu schreien, als sie die Zimmertür hektisch hinter sich zugeschlagen hat.

Tja, so kann ich zuhause wohl nicht mit einem Bad im Wasser des Vulkans prahlen.

Mehr möchte ich zu diesem Erlebnis dann jetzt lieber nicht weiter kommentieren.