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CHILE: Frühstück an der Milchstraße

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Mitten in der Nacht aufgebrochen. „Mach doch mal einer die Heizung an.“ nuschele ich genervt in meinen hochgeschlagenen Jackenkragen. Niemals hätte ich gedacht, dass es nachts hier so kalt wird. „Hier“ (wo es so kalt ist), ist aktuell eine unsichtbare Stotterpiste zwischen Calama und El Tatio, im Norden Chiles. Ich kann draußen gar nichts erkennen. Der Jeepfahrer, die arme Socke, sieht allerhöchstens die eineinhalb Meter Piste, die seine funzeligen Scheinwerfer beleuchten. Ich könnte nicht mal sagen, ob er nicht eventuell querfeldein fährt. Es ist nämlich nicht nur barbarisch kalt, es ist auch sowas von dunkel, dass mir nicht mal Worte einfallen, um diese Dunkelheit zu beschreiben. Schwarz. Es ist einfach nur schwarz. Im Kontrast dazu wirken die beleuchteten Instrumente des Fahrzeugs wie ein gleißendes Laserlicht in einer Diskothek. Wir sind ungefähr seit einer Stunde im stockfinsteren, bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt auf einer unkomfortablen Piste (oder sogar querfe...

HYDER: Bären-Treff

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Hyder, diese winzige Stadt in Alaska nennt sich selbst „The friendliest ghost town in Alaska!“. Die freundlichste Geisterstadt in Alaska also. Tatsächlich scheinen sich Fuchs und Hase hier guten Morgen, guten Tag und guten Abend zu sagen. Ich habe es aber weder auf Fuchs, noch auf Hase abgesehen, sondern auf Meister Petz. Im Fish Creek, direkt hinter Hyder, soll man quasi garantiert Bären beim Lachse fischen beobachten können. Meine Fantasie geht schon seit der Ausflugs-Planung mit mir durch. Mal sehe ich mich auf einem Baum sitzend das Kamera-Objektiv durch ein Dickicht aus Blättern auf einen braunen Fellfleck am Horizont richten, mal wähne ich mich hinter dem Fenster des Busses auf der Lauer nach Herrn Grizzly liegen. In meinen kühnsten Träumen hätte ich nicht erwartet, dass über dem kleinen lachsreichen Berg-Bach ein erhöhter, gepflegter Plankenweg verläuft.  Der Eingang durch einen bewaffneten Ranger abgesichert, thronen wir Touristen über den Köp...

KANADA: Walfisch zum Frühstück

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Von Telegraph Cove aus starte ich zusammen mit anderen Ausflüglern im Morgengrauen mit einem kleinen Schiff zum Whale Watching. Die Stimmung ist unwirklich. Dunst hält sich dicht über der ruhigen See und schemenhafte Schatten lassen unzählige Inselchen in der Bucht verstreut erahnen. Alle Touristen stehen angespannt die Wasseroberfläche absuchend, die Kamera schussbereit, an der Reling aufgereiht und fiebern der ersten Wal-Sichtung entgegen. Die junge Biologie-Studentin, die enthusiastisch versucht uns die Sprache und das Sozialverhalten der Orcas anhand von Schautafeln zu erklären, redet gegen eine Front aus entzückenden Rücken in Windjacken. Der Arm mit dem ich die Kamera halte, wird schon ganz lahm. Außerdem ist mir kalt. Und Hunger habe ich auch. Kein Wal in Sicht? Dann gehe ich erstmal frühstücken, während die nette Bio-Studentin ein Mikro ins Wasser lässt „Um eine Wal-Familie zu orten.“, wie sie erklärt. Im Bauch des kleinen Kahns riecht es angenehm nach Kaffee und S...

ÄGYPTEN: Kleopatras Augen und die Fastnachts-Galabia

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Dass in der arabischen Welt raffiniert gehandelt wird, das werden die wenigsten, die sich schon einmal durch einen arabischen Markt geschlängelt haben, anzweifeln. Dieses Geschick liegt im Blut, und so ist es auch nicht verwunderlich, dass auf den meisten Ägyptischen Nil-Schiffen einmal während des Urlaubs ein sogenannter Galabia-Abend stattfindet. Was das ist? Ein riesen Spaß und der Umsatz der Woche für den schiffseigenen Souvenir-Shop. Kurz nach dem Einchecken auf der „Nile Smile“ und dem Bezug meiner Kabine, mache ich mich auf das überschaubare Schiff zu erkunden. Fasziniert bleibe ich am kleinen Souvenir-Shop stehen. Kitsch in Reinform. Strass besetzte Pyramiden, goldfarbene Sphinx in allen Größen, Nofretete-Büsten als Buchstütze und Galabias. Eine Galabia ist ein reich bestickter Kaftan. Quasi unisex und Einheitsgröße. Ein luftig bequemes Kleidungsstück mit dem man sich als Tourie beim Tragen im Urlaub garantiert schon lächerlich macht, aber zuhause eine Einweisung...

GRIECHISCH Blau Blues

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---Für meine Freundin Steffi--- „Stimmt so.“ Mein Gegenüber drückt dem Kellner einen Fuffi in die Hand. Costas bedankt sich freundlich und wünscht uns einen guten Nachhause-Weg. Eine warme Brise weht gerade über den Biergarten des „Rhodos“. Es war ein heißer Sommertag. Beinahe 40 Grad in Rhein-Main. Hitzerekord des Jahres. Ich greife nach dem Ouzo auf dem Tisch und proste meiner Begleitung zu „Yamas!“. Das Gläschen hat noch nicht einmal meine Lippen berührt, da bahnt sich der intensive Anis-Geruch, getragen vom heißen, trockenen Sommerwind seinen Weg in meinen Kopf. Der Duft hüpft von Synapse zu Synapse in meinen Hippocampus, als wüsste er genau wo er hin muss. Als der Ouzo meine Lippen benetzt und irgendwie brennend aber doch mild meine Kehle hinunterrinnt, hat der Duft seine dazugehörige Erinnerung gefunden und kitzelt ein paar Gedächtniszellen in meinem Hirn. Schlagartig fühle ich mich um mehr als zwanzig Jahre zurückversetzt. Ich lächle. Was für ein Sommer! Meine Sch...