Das dämlichste Souvenir überhaupt

Steine, Sand, Muscheln, Pflanzen-Samen. Devotionalien mannigfaltigster Art. Es gibt genügend Möglichkeiten sich materiell manifestierte Erinnerungen aus einem Urlaubsland mit nach Hause zu nehmen.
Leider gibt es aber auch weniger schöne Mitbringsel: lebendige Krabbeltiere im Koffer, Bakterien oder Viren, die nach einer gewissen Inkubations-Zeit den eigenen Körper zuhause lahm legen ... oder ... Verletzungen, die man sich während einer Reise zuzieht und die einen im schlimmsten Fall ein leben Lang um die Welt begleiten werden.

Genau so eine Verletzung habe ich mir aus Uganda mitgebracht.

Zwei Wochen lang Durchschütteln im Jeep haben zum Glück nur ein paar kleinere blaue Flecken hinterlassen.
Meine panische Flucht vor dem Nashorn, dem ich Auge in Auge gegenüberstand habe ich unbeschadet überstanden.
Drei Scheinangriffe von "Makara", dem Silberrücken der Habinyanja-Gorilla-Familie, haben mir keinen Kratzer zugefügt.
Und dann ... dann sitze ich entspannt vor meinem Nachhause-Flug auf der Veranda des Guesthous in Entebbe, warte auf mein Taxi, das mich zum Flughafen bringen soll und nippe genüsslich an einem Abschiedskaffee. Vormittags hat es über dem Viktoria-See geregnet und überall stehen kleine Wasserpfützen. Als das Taxi um die Ecke biegt, schnappe ich erfreut meine Reisetasche und möchte dem Fahrer entgegen gehen. Nach zwei Schritten -wohlgemerkt in Trekking-Sandalen mit Profilsohlen- rutsche ich schwungvoll in einer Pfütze aus, schlittere hollywood-reif  und mit richtig Schmackes und lande auf meiner rechten Körperhälfte. Aua!
Meine Reisetasche ist mit lautem Plumps vor dem Taxi gelandet. Der Fahrer eilt mir entgegen, um mir auf zu helfen. Ich rappel mich -peinlich berührt- schnell auf und verkünde "No problem. I am OK.". Das nix OK ist, und ich mit "No problem" schlichtweg gelogen hab, spüre ich bereits im Taxi, als wir die zehn Minuten zum Entebbe Airport fahren. Mein Handgelenk schwillt an und ich kann den rechten Arm nicht mehr bewegen. Doof. Richtig doof.
Egal! Ich will in den Flieger. Ich will nach Hause. So sehr ich Uganda lieben gelernt habe, so wenig möchte ich hier im Krankenhaus landen.
Also  Zähne zusammen beißen. Einchecken und im Schmerz-Schockzustand auf das Boarden warten.

Auf dem Flug Entebbe Dubai werden die Schmerzen fast unerträglich. Beim Zwischenstop in Dubai bin ich kurz davor den medizinischen Dienst aufzusuchen, beschließe aber schließlich auch das letzte Stück der Reise tapfer zu sein und einfach  i r g e n d w i e  nach Hause zu kommen.

Nach der Landung in Frankfurt lasse ich mich sofort ins Krankenhaus nach Darmstadt bringen. Das obligatorische Röntgen bestätigt was ich befürchtet habe: Handgelenk (rechts!) gebrochen. Der Horror.
Freitags mittags verunfallt, liege ich mittwochs drauf auf dem OP-Tisch des Unfall-Chirurgen. Eine Metall-Platte soll den gebrochenen Knochen stabilisieren.

Warum jammer ich hier den Blog voll? Na, weil mich eine beträchtliche Narbe am rechten Handgelenk nun ewig an das wenig erbauliche Ende einer großartigen Reise erinnern wird. Das dämlichste Souvenir überhaupt!


Ist dir sowas auch schonmal passiert? Hast du auch eine "bleibende Erinnerung" an eine Reise?



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