Die Erinnerung lebt (Blogparade)


Dieser Post wurde inspiriert durch Melanies und Thomas Blogparade "http://www.reisen-fotografie.de/blogparade-urlaubserinnerungen-mit-fotowettbewerb/"

"Gerade von einer Reise zurück, werden viele schöne (und manchmal auch weniger schöne) Momente noch mal in Gedanken und Gesprächen durchlebt. Da werden Fotos bearbeitet, die Souvenirs ausgepackt, Erlebnisse mit der Familie, Freunden und Bekannten geteilt. Schnell ist man dann nach einer Reise wieder im Alltag angekommen und die Gedanken fokussieren sich wieder auf die täglichen Herausforderungen in Familie und Beruf." schreibt Thomas im Blog reisen-fotografie.de. Den Reisesüchtigen interessiert es wie andere, vom Reisefieber befallene, Blogger mit ihren Urlaubserinnerungen umgehen und startet eine Blogparade zum Thema.

Mh? Wie konserviere ich also meine Urlaubserinnerungen? Wie erhalte ich die wunderbaren Momente in meinem (zugegeben löchrigen) Gedächtnis?


Naja ... klar beschäftige ich mich -wie die meisten unter uns- mit einer intensiven Nachbearbeitung: Fotos sichten, Fotobücher erstellen, Souvenirs großzügig in der Wohnung verteilen und nicht zuletzt kleine Anekdoten und Erlebnisse bloggen.


Wenn die zeitliche Distanz zur letzten Reise, und damit die Sehnsucht nach einem neuen Urlaub immer größer wird, mache ich auch schonmal einen Revival-Abend mit Deko (gerne auch kitschig), entsprechender Musik (sofern vorhanden) und Landesküche (selbst gemacht oder bestellt/gekauft). Solche Abende finden natürlich am liebsten im -gleichgesinnten- Freundeskreis statt, können aber auch mal nur mit mir als Gast und Gastgeber in Personalunion zelebriert werden.


Meine aufwendigste Gedächtnisstütze habe ich mir nach meiner Namibia-Reise zugelegt: Ein Wohn-Ess-Zimmer im afrikanischen Lodge-Stil. Es vergeht also kein Tag an dem ich nicht mit einem verklärten Lächeln an die herrlichen, rustikalen Sundowner in Namibia denke (und an heißen Sommerabenden auch manchmal mit einer Dose Bier "nachstelle").


Die dämlichste Urlaubserinnerung belästigt mich aktuell: Am letzten Tag der letzten Urlaubsreise habe ich mir (schusselig!) das Handgelenk zertrümmert. Die OP ist jetzt wenige Wochen her, die Wunde ganz gut verheilt, aber die Schmerzen sind leider noch allgegenwärtig und erinnern mich mit jedem ziepen, jedem brennen an die letzten Stunden in Entebbe/Uganda. Ich erinnere mich nur zu gut an meinen Blick auf den Victoria-See. Ich rieche die nasse Erde und amusiere mich über die klatschnassen Vögelchen. Es hatte kurz vorher einen Regenschutt gegeben. Ich sehe noch die kleinen Pfützen vor mir. Und dann spüre ich nochmal den fiesen Schmerz, als ich ausrutsche und auf meine Hand aufschlage. Ih! Keine schöne Erinnerung aber mir schwant, sie wird mich den Rest meines Lebens -mindestens in Form einer OP-Narbe- begleiten.

Unglaublich intensiv sind allerdings die Reise-Erinnerungen, die mich finden, ohne dass ich irgendwas dazu tue:

Allein der Geruch von frisch gebrühtem Kaffee versetzt mich augenblicklich in dieses kleine Café in der Nähe des Termini in Rom. Mir läuft das Wasser im Mund zusammen und ich ersehnte mir ein Trapezini.


Beim Lieblings-Griechen ums Eck braucht der Kellner nur mit einem Ouzo auf dem Tablett an mir vorbei zu laufen, und schon kann ich den warmen Wind von Kos in den Haaren spüren und sehe vor meinem geistige Auge das intensive blau des Meeres, das es nur in Griechenland gibt.


Sobald ich eine Obst-Pyramide im Supermarkt oder auf dem Wochenmarkt sehe, versetzt mich ein Gedanken-Flashback in die Bocceria nach Barcelona.


Ein einziger Lied-Fetzen von James Blunt genügt, mich in den Mietwagen nach Mallorca zu versetzen. Meine Freundin sitzt am Steuer und seit zwei Woche laiern wir die "Back to Bedroom"-CD in Endlosschleife, um ihren Liebeskummer zu heilen.


Dieser löchrige Speicher in meinem Hirn kramt oft eigenständig, ohne mein Zutun kleine Sequenzen vergangener Reisen hervor, wenn ich gerade begonnen habe auf höchsten Niveau zu jammern: Kaum denke oder sage ich Sätze wie "Ich habe nichts zum anziehen!", erinnere ich mich urplötzlich an die dreckverschmierten Kinder in Delhi, deren dürre kleine Körper in verschlossenen, viel zu großen Shirts stecken (an Schuhe nicht zu denken).

Kann ich mal auf der überquellenden Speisekarte im Restaurant nichts nach meinem Geschmack finden, und nörgel auch nur im Ansatz innerlich über das "schwache" Angebot, schickt mir eine meiner Hirnwindungen (mit freundlichen Grüßen) kleine Videos in den Sehnerv, in denen zarte ugandischen Kinder mit Eisenhacken, die größer als sie selber sind, Süßkartoffeln aus der harten roten Erde hacken, damit Mama zuhause was auf den Tisch bekommt.

Beschämt entscheide ich mich schnell für einen Teller Nudeln.

Eigenerziehung erfolgreich.


An Tagen an denen ich mich selbst dabei erwische, wie ich dem Begriff "rumzicken" alle Ehre zu machen drohe, findet mich -zum Glück- die Erinnerung an den allerersten Anblick des Grand Canyon. Manchmal ist es auch der Blick aus dem Flieger auf die Anden oder ein kurzer Back-Flash der mich für Sekundenbruchteile an die Iguazu-Fälle bringt oder das Staunen beim Anblick eines Mammut-Baums Revue passieren lässt, Das Gefühl ein kleines Staubkorn in diesem Universum zu sein, ein kleines Rädchen im großen Ganzen der Natur, bringt mich schnell wieder auf den Teppich zurück. Die Erinnerung lehrt mich, mich selbst nicht so wichtig zu nehmen.


Manchmal erlebe ich einen Moment auf einer Reise und weiß genau, dass sich das Bild, die Gerüche und Geräusche augenblicklich in meine Erinnerung eingebrannt haben. Meistens sind das auch die Momente, in denen eine Landschaft oder Szene mir den Atem raubt. Ganz oft -und ich glaube das liebe ich besonders am Reisen- sind das aber auch Situationen, die mir vor Augen führen wie privilegiert ich lebe. Wie gut es mir geht. Wie glücklich ich mich schätzen darf. Essen im Überfluß zur Verfügung haben. Ein warmes Zuhause zu haben. Eine Familie, einen Partner und verlässliche Freunde. Gesund zu sein (die Hand wird schon wieder!).

Reisen erinnert mich gegenwärtig oder auch retrospektiv wie herrlich und vielfältig diese Welt ist.

Reisen zeigt mir wie großartig das Leben ist!

Wenn ich reise lebe ich, und wenn ich mich erinnere ... auch.



Kommentare:

  1. Wow, das sind aber viele, tolle Urlaubserinnerung. Und schön zu lesen, wie und wann Du diese Erinnerungen bekommst. Gut, das mit dem Handgelenk braucht keiner. ;-)

    Die Idee mit dem Esszimmer ist toll. Ich habe schon überlegt, unser Arbeitszimmer in einen US-Bundesstaat umzuwandeln - naja, zumindest diesen passend zu dekorieren.

    Danke auch für die Teilnahme an unserer Blogparade.

    LG Thomas

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    1. Hi Thomas
      Och ja... So ein US Arbeitszimmer ist doch bestimmt witzig?! Oder fast jede Woche des Jahres ein anderer Bundesstaat? ;-) Hauptsache Hawaii ist im Sommer dran :-)
      Lieben Dank für Deinen netten Kommentar - Diane

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  2. Hallo Diane,

    deine Themenabende sind eine super Idee, werde ich definitiv auch mal veranstalten.

    LIebste Grüße
    Jessica

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    1. Hallo Jessica
      Das macht viel Spaß. Bin gespannt wie es Dir gefällt und welches Land/Thema Du wählen wirst.
      Liebe Grüße - Diane

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  3. Die Themenabende... Die habe ich früher auch gemacht, damals, als ich noch Dias machte. Seit der Digital-Fotozeit zeige ich die Bilder viel öfter auch mal Freunden und Bekannten "vor Ort" und die Abende mit passendem Essen, Musik und den Bildern sind völlig in den Hintergrund geraten. Eigentlich schade. Danke, dass Du mich wieder daran erinnert hast. Ich glaube ich muss die wieder aufleben lassen.
    Ich wünsche Dir, dass Du in Zukunft von schmerzhaften Erinnerungen verschont bleibst und die duftigen zahlreich werden.
    Claudia

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    1. Hallo Claudia
      Vielen Dank für Deine lieben Wünsche. Werde mich bemühen zukünftig nur noch schöne Erinnerungen zu sammeln.
      Freue mich sehr, dass ich Dich an die schönen "Urlaub zuhause"-Abende erinnern konnte. Vielleicht hast Du ein paar Tipps für mich. Hast Du einen absoluten "Da-ist-bisher-noch-niemand-drauf-gekommen"-Geheim-Tipp?
      Lieber Gruß - Diane

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