HARZ: Brückentag am Brocken


“Hach wie schön!” “Ist das hübsch?!” ”Schau mal da!” Wir sind ganz offensichtlich begeistert von Goslar. Pittoreske Fachwerkhäuser, eine beeindruckende Kaiserpfalz, der Hausberg “Rammelsberg” über dem sich Paraglider mit der Thermik in den Himmel schrauben.
Der Stadtführer verliert sich nicht in Superlativen, lässt aber auch keinen Zweifel daran, dass es sich bei Goslar um einen ganz besonderen Flecken Erde, am Rand des Harz handelt. Jahrhundertelange Geschichte, immer verbunden mit dem Erz-Abbau im Rammelsberg.  Kaiser und Könige und alle mittelalterlichen Gewerke fanden sich in dem Städtchen. Den Dom von damals gibt es nicht mehr, wohl aber den Flair der Vergangenheit.


Mal abgesehen davon, dass unser Guide zu jeder Häuserfassade eine Geschichte kennt, und uns auch die “Urzelle” der Siemens-Familie zeigt, weiß er über den Ursprung von vielen Sprichworten zu berichten:

“Es läuft wie am Schnürchen.” Als Kutschen und Droschken die Hauptverkehrsmittel waren, gab es eine Schnur vom Innenraum der Kutsche zum Kutscher. Wenn es schneller gehen sollte, zog der Passagier einmal an der Schnur und ein Glöckchen signalisierte dem Kutscher “Schneller!”. Klingelte es zweimal, hieß das “Noch schneller!”. Und so weiter. Es lief dann buchstäblich “Wie am Schnürchen.”

“Etwas ausbaden.“: In den Mittelalterlichen Badanstalten zahlte man Eintritt. Reiche Leute konnten sich frisches Wasser in den Zubern und Wannen leisten. Weniger betuchte Menschen badeten im benutzten Restwasser der Reichen.
Verrückt, oder?!

Beim Bankrott “Die Hosen runterlassen!”, also den Offenbarungseid leisten: Konnte früher jemand seine Rechnungen auf dem Markt nicht bezahlen, wurde er öffentlich angeprangert. Ihm wurden die Hosen runtergezogen, und er wurde mehrmals mit dem nackten Hintern auf einen Stein gestubbst.

Gleich noch ein Sprichwort: Reisen bildet! :-)


Wer mich kennt, weiß, dass ich bestimmt auch irgendein kulinarisches Highlight in Goslar erschnüffelt habe. Meiner Nase folgend nehmen wir in einem bequemen Korbstuhl vor der “Butterhanne” platz und bestellen “Ein Windbeutel mit Eierlikör, bitte.”
Vor Jahren hatte ich hier schon mal diese leckere Köstlichkeit bestellt, aber völlig vergessen WIE groß die Windbeutel hier sind. Als die nette Kellnerin mit einem Monster-Windbeutel auf dem Teller aus dem Cafe kommt, schlucke ich trocken. “Hätte ich doch lieber die kleine Portion bestellen sollen.” denke ich laut. “DAS IST die kleine Portion.” erwidert sie lächelnd. Ich wette, sie hört das hunderte male am Tag.
Eigentlich mag ich keinen Brandteig und eigentlich mag ich keine Sahnefüllung. Aber beides drapiert um einen beherzten Schluck Eierlikör schmeckt orgastisch. Absolutes Muss in Goslar: Windbeutel in der Butterhanne.


Wernigerode im Harz. Meine Thailändische Kollegin würde jetzt wieder sagen “Same, same, but different.” Ein märchenhaftes Schloss thront über dem mittelalterlichen Städtchen. Die Fachwerkfassaden sind verbildlichst herausgeputzt. In der Fussgängerzone herrscht lebendiger Trubel. Vor dem Rathaus nehmen Brautpaare samt Gefolge im Akkord Stellung, und lassen sich ablichten. Es ist der 15.5.2015. Brückentag nach Vatertag. Wehe dem frisch gebackenen Ehemann, der den Hochzeitstag trotzdem vergisst.


Hier kann man auch in die Harzer Dampflok zusteigen, die in zwei Stunden auf den Brocken tuckert. Kann man, muss man aber nicht. Mir hat meine Bahnfahrt in Polen, letzte Jahr, genügt. Ich brauche so ein Erlebnis nicht nochmals … und entscheide mich richtig, wie andere Reisende am Abend berichten. Die Hin- und Rückfahrt kostet 37 Euro. Stolzer Preis. Sitzplatz wird nicht garantiert, und bei dem Kaiserwetter heute, stapeln sich Touristen in den kleinen Abteilen. Es ist stickig, aber Fenster öffnen lässt nur den Dampf der historischen Bahn ins Innere. Herzlichen Glückwunsch.
Wie auch immer. Ist ja Geschmacksache. Wer drauf steht, der soll halt 37 Euro verheizen.

Quedlinburg und Bad Harzburg sind ebenfalls sehenswerte Städtchen, aber Goslar und Wernigerode lassen sich für meinen Geschmack nur schwer toppen. Deshalb ist meine Empfehlung: Lieber einen Tag länger in Goslar oder Wernigerode verbringen, als Quedlinburg und Bad Harzburg auch noch mitnehmen wollen.


Auf der Rückfahrt nach Hause drehen wir noch eine Runde durch den wunderschönen Harz, und schließen dieses schöne lange Wochenende -eigentlich ganz untypisch für diese Region- mit der Stabkirche in Hahnenklee ab.

Herrlicher Harz, wir kommen wieder!!!

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