LEMBERG: Zeitreisen sind möglich


Kaum haben wir die Polnisch-Ukrainische Grenze bei Medyka überquert wird es ganz still im Bus.
Die Schlaglöcher auf der schmalen Landstraße sind ellentief. Die Häuser sind klein, scheinen in Schuss, wirken aber auch irgendwie provisorisch. In den großen Gärten knien alte Frauen und jäten Unkraut. Ein junger und ein alter Mann versuchen mit einem uralten Pflug ein Feld zu beackern. Der junge Mann ist dabei eingespannt wie ein Pferd oder Ochse.
Ich habe so etwas noch nie gesehen. Zumindest nicht außerhalb einer historischen Dokumentation im Fernsehen.
Betretenes Schweigen unter den Touristen. Unsere Vorfreude auf Lemberg verflogen. Jeder schaut gebannt aus dem Busfenster und hängt düsteren Gedanken nach. Mit nur wenigen Strecken-Kilometern haben wir uns sechzig bis siebzig Jahre in der Zeit zurück bewegt. Ich weiß gar nicht was ich sagen oder schreiben soll, um dieses Schock-Gefühl auszudrücken.
Lemberg erleben wir im Nebel depressiver Gedanken. Die Stadt unterstreicht was wir bisher gesehen haben. Es fehlt an Geld. Es fehlt an Struktur.

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