LAPPLAND: Wilde Bande.

Wichtiger Tipp für alle, die wie ich davon träumen einmal Polarlichter zu sehen: Unbedingt bei der Buchung auf den Mondzyklus achten. Ich muss leider feststellen, dass ich mich in einer Vollmond-Woche in Rovaniemi befinde, und die Wahrscheinlichkeit auf Polarlichter extrem gering ist. Tatsächlich, ich sehe leider keine Polarlichter. Sie müssen für den Moment auf meiner „Unbedingt machen/sehen“-Liste bleiben.

“Action-Woche in Lappland” steht es in dem Reisekatalog, in dem ich meinen verspäteten Winterurlaub buche. Ski-Langlauf, Skidoo-Fun, Hundeschlitten fahren, den Rentierführerschein machen, den Weihnachtsmann besuchen, eine Schneeschuh-Nachtwanderung mit Polarlichtern. Klingt alles verlockend. Geträumt. Gebucht.


Mitten im Wald ist die Hundeschlitten-Station. Die Tiere sind unglaublich schön und sehr freundlich. Besonders die Welpen in den Zwingern verzaubern jeden Touristen. Ich bin nicht nur hier, um die zähen Hunde zu bewundern, sondern um zum ersten mal in meinem Leben Hundeschlitten zu fahren. Unzählige TV-Dokumentationen haben mir Lust auf dieses kleine Abenteuer gemacht. Jetzt stehe ich hier, hinter einem kleinen Schlitten. Vor mir sechs wild zerrende und unbändig aufgeregte Finnische Hunde. Ich stehe mit vollem Gewicht auf der Ankerbremse, die wie eine Krampe hinter dem Schlitten in den vereisten Boden gerammt ist. Der Guide hat mir erklärt was zu tun ist. Meine innere Stimme zählt den Countdown herunter. Drei, zwei, eins, los!


Beide Füße runter vom Bremsbügel, rechts und links auf die Kufen. Das Gebell, Geheul und Gewinsel ohrenbetäubend. Ein Ruck, und schon geht die wilde Fahrt entlang der markierten Piste. Pfoten-Getrappel, schnaufende Atemstöße. Der schneidend kalte Fahrtwind treibt Tränen in die Augenwinkel, wo sie sofort gefrieren. Was für eine Fahr! Es dauert keine Minute, und es gibt nur noch die hechelnden, rennenden Hunde, den eisigen Wind, die verschneite Landschaft und mich. Ich glühe vor Stolz und Glück.

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