LAPPLAND: Es gibt ihn!


Mit dem Taxi kommt man fix ins „Weihnachtsmann-Dorf“. Viel weihnachtlicher Kitsch, zum Teil sehr kommerziell. Ich hab es mir fast schon gedacht und bin innerlich darauf vorbereitet.
Dass ich IHN hier persönlich antreffe, damit habe ich nicht gerechnet. Ich glaube, kein Erwachsener ist auf so eine Begegnung vorbereitet. „Foto mit Weihnachtsmann“ steht es mehrsprachig über einer Tür. „Das sehe ich mir an.“ denke ich und laufe den Gang entlang, der wie eine Wichtelwerkstatt gestaltet ist. Am Ende des Gangs gelangt man in ein gemütliches Wohnzimmer. Unzählige Päckchen auf dem Boden verstreut. Vor dem flackernden Kamin ein Mann im Schaukelstuhl. Daneben auf zwei weiteren Stühlen ein Touristenpärchen. Der vermeintliche Weihnachtsmann trägt legere Kleidung. Eine Cordhose, kariertes Flanellhemd und Strickweste. Seine Hände verraten nicht ein Jahr seines Alters.


Gerade eben noch hat er mit dem Touristenpärchen irgendwas skandinavisches gesprochen, da witzelt er doch jetzt mit der Familie vor mir auf Griechisch (?) Kaum bin ich dran, fragt er mich in akzentfreiem Deutsch "Hast du einen Wunsch?" Ganz offensichtlich amüsiert über meine Verwunderung, sehen mich seine freundlichen Augen mit den Lachfältchen am äußeren Winkel über den Brillenrand hinweg eindringlich an. Ich muss mich ehrlich zusammen reißen nicht zu stottern "Wieviel Sprachen sprichst du denn?" stammel ich, weil mir anscheinend nichts dämlicheres einfällt. Er lächelt und nickt "Alle Sprachen der Kinder, die an mich glauben". Ich bin fassungslos gerührt, aber absolut überzeugt: Er ist es! Es gibt ihn, den Weihnachtsmann. Und er vollbringt Wunder, denn er kann machen, dass man wieder Kind ist.

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